Montag, 4. Januar 2016

Trau niemandem, vor allem nicht dir selbst: "Schizo" von Nic Sheff (Rezension)

Während Miles' erstem schizophrenen Anfall verschwindet sein Bruder spurlos. Zwei Jahre später hat die Polizei die Suche längst aufgegeben. Aber Miles ist sich sicher: Sein Bruder wurde entführt, und er muss ihn retten. Und so macht er sich heimlich auf die Suche, begleitet nur von den Stimmen in seinem Kopf... Und er findet eine Wahrheit, die alles in Frage stellt, woran er je geglaubt hat. 



Der Jugendthriller "Schizo" von Nic Sheff erschien am 25. Juni 2015 als Taschenbuch im Fischer-Verlag. Das Buch hat 266 Seiten und kostet 8,99 €. Kaufen könnt ihr das Buch beispielsweise bei  Fischer oder amazon.de

 Ich finde schon das Cover von "Schizo" so wie den Untertiel "Trau niemandem. Vor allem nicht dir selbst" sehr ansprechend. Beides passt gut zur Geschichte und spiegelt diese wider.
Von dieser erwartete ich mir vor allem eine Menge Spannung und Einblicke in den Alltag eines an Schizophrenie leidenden Teenagers.

Die Geschichte beginnt recht gemächlich. Das Buch ist in vier Teile unterteilt, im ersten, der sich beinahe über das halbe Buch erstreckt, lernt der Leser zunächst Miles und seine Krankheit besser kennen. Ich war begeistert davon, wie der Autor Miles' alltägliche Probleme, die die Schizophrenie ihm bereiten, beschrieben hat. So konnte ich mir erst einmal gut ein Bild davon machen, wie der Alltag des Protagonisten aussieht und wie dieser mit dem Verschwinden seines Bruders zusammenhängen könnte. Deswegen begann ich schon auf den ersten Seiten mitzurätseln, obwohl noch nichts Spannendes vorgefallen war.

Von dem Tag, an dem Miles' Bruder verschwand, erfährt der Leser vor allem auf den ersten und letzten Seiten des ersten Teils. Zunächst wird geschildert, wie der Protagonist selbst den Tag erlebt hat, gegen Ende macht er sich dann auf die Suche.
Deswegen kam während der ersten Hälfte des Buch leider auch gar keine Spannung auf, doch interessant war es trotzdem.
Daher erwartete ich mir von der zweiten Hälfte des Buches eine geballte Ladung Spannung - Doch leider blieb diese wieder aus.

Dafür, dass das Buch als Thriller deklariert ist, passiert meiner Meinung nach doch sehr wenig, Nun könnte man sagen, dass das Buch nun einmal mehr auf den psychologischen Aspekt setzt, allerdings war auch dieser eben nur interessant -  nicht mehr und nicht weniger.

Leider hatte ich schon nach den ersten paar Seiten des Buches eine Ahnung, die sich später auch als richtig herausgestellt hat. Man muss also wirklich kein gewiefter Detektiv sein um zu wissen, was hinter dem Verschwinden seines Bruders steckt, wenn man erst einmal ein paar Seiten gelesen hat - Das fand ich sehr schade.

Natürlich ist es schwierig einen Protagonisten zu beurteilen, der an einer psychischen Krankheit leidet, allerdings werde ich es trotzdem einfach mal ganz objektiv tun: Miles ist ein sympathischer Junge, der sich sehr um seine Familie und seine Freunde, aber auch um sich selbst sorgt. Dabei ist er keineswegs egoistisch, er weiß die Risiken seiner Krankheit einzuschätzen und sieht sich dadurch als Gefahr für sich selbst und für andere. 
Leider konnte ich viele von seinen Entscheidungen nicht nachvollziehen. Obwohl er einige vertrauenswürdige Personen in seinem Umfeld hat, frisst er den Kummer über das Verschwinden seines Bruders in sich hinein und bleibt bewusst allein damit. Das ist durch seine Krankheit zwar verständlich, aufgefallen ist es mir dennoch.

Leider sind mir während des Lesens ein paar kleinere und größere Logikfehler aufgefallen. Ein Beispiel ist, dass Miles sich eine Zigarette angezündet und diese wieder ausgedrückt hat. Zwei Absätze später hat er dann wieder eine Zigarette ausgedrückt, ohne sich überhaupt eine neue angezündet zu haben. Das ist natürlich nicht tragisch, doch leider kam so etwas öfter vor. Und am Ende des Buches gab es auch eine Sache, die in meinen Augen nicht wirklich Sinn ergeben hat, was etwas schade war. 

Der Schreibstil des Autors war sehr angenehm zu lesen. Zu Beginn kam es mir noch so vor, als würde er versuchen, krampfhaft einen Jugendslang in seine Sätze mit einzubauen, allerdings verschwand dieses Manko im Laufe der Geschichte, wodurch diese flüssig und schnell zu lesen war. Trotz der leider fehlenden Spannung hatte ich das Buch innerhalb von drei Stunden durchgelesen.

"Schizo" von Nic Sheff ist ein Jugendroman, von dem Thriller-Fans enttäuscht werden könnten. Allerdings kann ich das Buch jedem weiterempfehlen, der sich für psychische Krankheiten im Allgemeinen oder auch Schizophrenie im Speziellen interessiert. 
Das Buch bekommt von mir 3 von 5 Schwalben. 
Vielen Dank...
An die Thalia-Buchhandlung in Hamburg. Dort bin ich als junger Buchprofi aktiv und habe dieses Buch zum ezensieren zur Verfügung gestellt bekommen. Mehr Informationen findet ihr hier.


Kommentare:

  1. Hey Laura :)
    Der KT hört sich echt vielversprechend an, aber nach deiner Rezi glaube ich, ich lass lieber die Finger davon ;-)
    Die wenige Spannung, die Logikfehler und der Protagonist halten mich irgendwie ab :D
    Aber an sich ist das eine tolle Rezi geworden!

    LG ♥
    Anna

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    1. Hey Anna,
      ja, das Buch ist sicherlich nicht für jeden etwas!
      So etwas muss man einfach mögen. ;)
      Und vielen Dank für deine lieben Worte! ♥

      Alles Liebe,
      Laura

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  2. Ich finde die Idee total spannend und es dafür umso mehr schade, dass das Buch wohl doch nicht so gut ist, wie ich es mir erhofft habe...

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    1. Hey Lena,
      spannend war das Buch leider wirklich nicht - zumindest nicht für mich.
      Aber dennoch war es gut, nur eben nicht als Thriller.

      Alles Liebe,
      Laura

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