Donnerstag, 28. Januar 2016

Eine mittelalterliche Dystopie? "Das Feuerzeichen" von Francesca Haig (Rezension)

Inhalt
Vierhundert Jahre in der Zukunft:
Durch eine nukleare Katastrophe wurde die Menschheit zurück ins Mittelalter katapultiert. Es ist eine Welt, in der nur noch Zwillinge geboren werden. Zwillinge, die so eng miteinander verbunden sind, dass sie ohne einander nicht überleben können. Allerdings hat immer einer von ihnen einen Makel. Diese sogenannten Omegas werden gebrandmarkt und verstoßen.
Es ist die Welt der jungen Cass, die selbst eine Omega ist, weil sie das zweite Gesicht besitzt. Während sie Verbannung, Armut und Demütigung erdulden muss, macht ihr Zwillingsbruder Zach Karriere in der Politik. Cass kann und will diese Ungerechtigkeit nicht länger ertragen und beschließt zu kämpfen. Für Freiheit. Für Gerechtigkeit. Für eine Welt, in der niemand ausgegrenzt wird. Doch die Rebellion hat ihren Preis, denn sollte Zach dabei sterben, kostet das auch Cass das Leben...

Informationen
"Das Feuerzeichen" von Francesca Haig ist der erste Band einer dystopischen Trilogie für Jugendliche. Das Buch erschien als Hardcover für 16,99 € am 26. Oktober im Heyne fliegt-Verlag und hat 477 Seiten. Kaufen könnt ihr es unter anderem bei Heyne fliegt oder bei amazon.de.
 Meine Meinung
"Das Feuerzeichen" von Francesca Haig hat mich sofort neugierig gemacht: Eine Dystopie, die in einer mittelalterlichen Welt spielt? Eine Welt, in der Zwillinge nicht ohne einander überleben können? Zwillinge, die nach Makeln getrennt werden?
All diese Ideen klangen innovativ, von ihnen versprach ich mir viel Spannung ein Jugendbuch der besonderen Art. Deshalb war es für mich als absoluter Dystopie-Fan sofort klar, dass ich das Buch lesen wollte. Ob es sich gelohnt hat?

Der Einstieg in die Geschichte fiel mir relativ schwer. Wir lernen die Protagonistin Cass kennen, eine Omega. Das bedeutet, dass sie von ihrem makellosen Zwillingsbruder Zach getrennt wurde, weil sie eine Seherin ist - regelmäßig hat sie Visionen und Eingebungen, die sie jedoch nicht immer von Träumen unterscheiden kann.

Um sich selbst in Sicherheit zu wiegen, sperrt ihr Bruder sie in die Katakomben der Festung, in der er mittlerweile eine sehr hohe politische Position eingenommen hat - Denn sollte Cass sterben, würde er automatisch mit ihr verenden.

So weit, so gut - Als Leser verfolgt man zunächst Cass' Gefangennahme mit, die recht turbulent verläuft, weshalb das Buch eigentlich spannend beginnt. Doch leider flaut diese Spannung recht schnell ab und man erfährt, wie Cass sich fühlt, was anfangs zwar interessant, später aber recht anstrengend ist. 

Was mich aber sehr interessierte, war der Teil, in dem Cass von ihrer Kindheit erzählt. Sie berichtet von den sorglosen Tagen mit Zach an ihrer Seite. Ihr Bruder ist für mich ein sehr faszinierender Charakter, denn er zeigt, wie ein System, beziehungsweise wie Regeln sich auf Menschen auswirken können. War Zach früher freundlich und loyal, ist er heute ein kaltblütiger Mensch. 
Diese Entwicklung ist für Cass selbstverständlich nur schwer erträglich, wahrscheinlich ist dies auch der Grund, weshalb dieses Thema im Laufe der Geschichte immer wieder angeschnitten wird.

Nachdem die ersten hundertfünfzig Seiten gelesen sind, nimmt die Geschichte wieder an Fahrt auf - Allerdings hält die Spannung wieder nicht lang an, weil die Situation sich über mehrere Seiten hinweg nicht verändert, eigentlich bis kurz vor Ende des Buches, das wieder sehr gut gelöst ist und einen unvorhersehbaren Plot bereithält.

Mit der Protagonistin Cass hatte ich während des Lesens so meine Probleme. Leider hat sie für mich keine richtige Persönlichkeit, allerdings ist dies auch verständlich, schließlich wurde ihre jahrelang eingeredet, sie wäre aufgrund ihres Makels nichts wert. Ihre Visionen sind allerdings sehr interessant und machen die Geschichte zu etwas besonderen.

Außerdem lernt Cass im Laufe der Geschichte weitere Charaktere kennen - Zu den Personen und Umständen möchte ich allerdings nichts genaueres verraten, denn natürlich soll es für euch spannend bleiben, solltet ihr das Buch auch noch lesen wollen. Die Nebencharaktere haben mir alle ebenfalls gut gefallen, bis auf eine Ausnahme, die nie physisch präsent ist, aber die trotzdem ständig im Fokus der Geschichte steht. Durch die latente Erwähnung des Namens, dessen Wichtigkeit ich nicht nachvollziehen konnte, war ich manchmal etwas genervt.

Was mir ebenfalls nicht ganz zugesagt hat, war der Schreibstil der Autorin. Prinzipiell ist gegen ihn nichts einzuwenden, da er sich sehr flüssig lesen lässt. Allerdings verlor sich die Autorin während des Schreibens des öfteren in den Beschreibungen der Umgebung oder Dingen, die für die Geschichte nicht sehr ausschlaggebend sind. Noch dazu gibt es nicht viele Dialoge, wodurch manchmal Langeweile aufkam. Teilweise vergehen zehn Seiten ohne Gespräche, und für Menschen wie mich, die sehr viel auf Dialoge setzen, könnte das Buch dadurch etwas schleppend wirken.

Durch die eben erwähnten Punkte ließ sich das Buch für mich recht schwierig lesen, ich hatte stets das Gefühl, die Geschichte käme kaum voran, obwohl ich rückblickend sagen kann, dass im Buch recht viel geschieht. Trotzdem hat sich die Geschichte für mich sehr dahin gezogen. 

Eine tolle Sache an dem Buch war die Welt, die die Autorin erschaffen hat. Obwohl ich gern mehr darüber erfahren hätte, hat es mir Spaß gemacht, die dystopische Welt zu erkunden.
Die Ideen, die Francesca Haig hatte, sind einfach einzigartig und mit keiner anderen Dystopie vergleichbar. 
Fazit 
"Das Feuerzeichen" von Francesca Haig ist eine Dystopie für Jugendliche, die ich leider nur durchschnittlich fand. Dennoch überzeugt das Buch durch seine tollen Nebencharaktere und die einzigartige Welt, die allerdings nicht den schleppenden Verlauf der Geschichte aufwiegen können. 
Von mir bekommt das Buch 3 von 5 Schwalben und eine Empfehlung für Leser, die nach einer einzigartigen, komplexen Welt für eine Geschichte suchen.
Vielen Dank...
An den Heyne fliegt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
Alles Liebe,
Laura

Kommentare:

  1. Liebe Laura,

    eine sehr schöne Rezension! Tatsächlich hat sie mir trotz deiner Kritikpunkte Lust auf das Buch gemacht, sodass ich jetzt wirklich mit dem Gedanken spiele, es zu lesen. Gerade diese Idee klingt sehr interessant. ;)

    Liebe Grüße ♥

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    1. Hallo Dana,

      Vielen Dank!
      Das freut mich zu hören. :)

      Alles Liebe,
      Laura

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  2. Hallo Laura,
    schöne Rezension! Im großen und ganzen ging es mir mit dem Buch genauso wie dir.
    Die Person, über die viel geredet wurde aber nicht direkt anwesend war, ging mir irgendwann auch auf den Keks und wer der Zwilling ist hab ich schon ziemlich früh erahnt. Trotzdem bin ich gespannt wie es in dem 2ten Band weiter geht und hoffe sie nutzt die Luft nach oben.

    Liebste Grüße
    Tinker

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    1. Hallo Tinker,

      Dankeschön!
      Dann bin ich ja beruhigt,
      dass es da nicht nur mir so ging.
      Ich werde Band 2 wohl auch lesen,
      er ist ja auch um einiges dünner,
      daher hoffe ich, dass nicht so viele Längen entstehen
      und die Autorin das Potenzial gut ausnutzt. :)

      Alles Liebe,
      Laura

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  3. Mich hat "Das Feuerzeichen" auch nicht vollständig mitreißen können, allerdings fand ich die Zwillings-Thematik sehr interessant! Deswegen überlege ich auch noch, ob ich Band 2 auch lesen soll :)

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    1. Hey Lena,

      Da, stimme ich dir vollkommen zu!
      Ich werde Band 2 wahrscheinlich lesen,
      laut amazon.de soll er auch um einiges dünner sein,
      daher habe ich die Hoffnung,
      dass nicht so viele Längen entstehen werden. :)

      Alles Liebe,
      Laura

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  4. Hallo Laura! :)

    Ich musste jetzt natürlich deine Meinung zu diesem Buch erfahren und muss sagen, dass ich dir in dem ein oder anderen Punkt zustimmen kann, wir aber sonst eher unterschiedlicher Meinung sind. Ich fand, dass es ab Seite 110 so richtig spannend wurde und die Spannung angehalten hat. Wie unterschiedlich da manchmal die Meinungen sind ist echt erstaunlich. Hoffen wir mal, dass Band 2 dir besser gefällt, sofern du ihn lesen wirst!

    Liebe Grüße,
    Marius O:)

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    1. Hey Marius,
      Ja, die Verschiedenheit der Meinungen überrascht mich tatsächlich auch jedes Mal aufs Neue. ;)
      Aber es wäre ja auch sehr langweilig, wenn wir alle die gleiche Meinung hätten, nicht wahr?
      Mittlerweile denke ich, dass ich den zweiten Band lesen werde - ich bin gespannt.

      Liebe Grüße,
      Laura

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